Die Wahrheit über die Finanzkrise II

Der heutige Post ist der 2. Teil zu unserem Bericht über Falschinformationen und Fehlannahmen rund um die Finanzkrise. Wir wagen uns in diesem Beitrag auch an eine potenzielle Lösung!

Thema 3: Griechenland ist nicht böse!

Im OECD-Vergleich arbeiten ungefähr 8 % der griechischen Bevölkerung für den Staat. Dies war auch vor der Krise so! Im Durchschnitt aller OECD-Staaten liegt diese Zahl bei circa 15 %. Sprich: Griechenland hat, entgegen der landläufigen Meinung, auf keinen Fall zu viele Staatsbedienstete, die den Staat dadurch an den „Rande des Ruins“ bringen.

Zudem möchte ich erwähnen, dass in Griechenland – bereits vor der Krise – teilweise härtere Sozialgesetze herrschten, als in Deutschland. So bekommt ein Arbeitnehmer der arbeitslos wird, 12 Monate Arbeitslosengeld und danach nichts mehr; kein Hartz 4; kein Wohngeld; keine Unterstützung in jeglicher Hinsicht. Es wäre also falsch zu sagen, dass Griechenland grundsätzlich zu verschwenderisch und sozial ist.

Außerdem haben griechische Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren – ebenfalls bereits vor der Krise – wesentlich mehr Stunden pro Woche gearbeitet, als wir Deutschen. Dies wird von EuroStat, der europäischen Statistikbehörde bestätigt. Man kann also nicht sagen, dass „die Griechen“ faul sind.
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Selbstverständlich gibt es einige Dinge, die in Griechenland besser werden müssen. Ohne Frage. Aber es ist nicht so, dass die Griechen ihre momentane Lage zu 150 % selbst verschuldet haben. Denn auch Griechenland musste Banken retten, wodurch die Staatsschulden erst so weit explodiert sind, dass das Land ins Straucheln kam.

Ergo: Griechenland ist nicht böse!

Thema 4: Warum erholen sich die Krisenländer nicht?

Deutschlands Unternehmen haben sich seit Jahren mit Lohnsteigerungen zurückgehalten. Zwar sind die Löhne in Deutschland auf einem vergleichsweise hohen Niveau, jedoch sind „wir Deutschen“ auch sehr effizient. Sprich: Unsere Löhne sind relativ hoch, unsere Lohnstückkosten sind vergleichsweise aber sehr gut. Ein einfaches Beispiel hierfür: ein deutscher Fließbandarbeiter bei VW bekommt zwar mehr Geld als sein spanischer Kollege, er schraubt aber während einer Arbeitsstunde 50 Schrauben mehr in Autokarossen. Dadurch relativiert sich sein relativ hohes Gehalt.

Andere Länder Europas hatten in den letzten Jahren [vor allem vor der Krise] jedoch sehr deutliche Gehaltszuwächse zu verzeichnen. Dadurch haben sich die Lohnstückkosten in diesen Ländern – vor allem im Vergleich zu Deutschland – weiter verschlechtert.

Viele Unternehmen haben sich also für Standorte bzw. für den Ausbau der Standorte in Deutschland entschieden. Eben weil die Lohnstückkosten sehr gering sind. Als Konsequenz daraus gab es immer weniger gut bezahlte Jobs in den Krisenländern Europas, was die dortige Wirtschaft und die Steuereinnahmen selbstverständlich weiter belastet. Da zudem viele Waren/Dienstleistungen im Ausland [vornehmlich in Deutschland] gekauft wurden, trug dies weiter zur Abwanderung des Geldes aus der heimischen Wirtschaft bei.

Thema 5: eine mögliche Lösung

Eine [wohl gemerkt eine, nicht DIE] Lösung könnte wie folgt aussehen: Deutschland muss, was die Lohnstückkosten angeht, unattraktiver werden. Wir brauchen also deutliche Gehaltssteigerungen, die nicht nur die Inflation ausgleichen. Gleichzeitig sollten die „Krisenstaaten“ daran arbeiten, ihre Lohnstückkosten [durch sinkende Löhne und steigende Produktivität] zu senken.shake-hands-2

Dadurch würden langfristig [wir sprechen hierbei über einen Zeitraum von 5-10 Jahren] wieder mehr Jobs in den Krisenländern geschaffen, was die dortige Wirtschaft stärkt und die Steuereinnahmen steigen lässt.

Man könnte jetzt meinen, dass wir Deutschen ziemlich verrückt sein müssten, wenn wir unseren Standort absichtlich unattraktiv machen. Jedoch sollten wir uns alle [auch die deutschen Politiker, die durch ihren Einfluss in der EU bisher sehr dazu beigetragen haben, dass ausschließlich Interessen von deutschen Unternehmen durchgesetzt werden] fragen, wer denn unsere Waren, Produkte und Dienstleistungen in Zukunft kaufen wird, wenn viele europäische Volkswirtschaften dauerhaft in der Krise stecken?

Wir haben also die Wahl zwischen einer deutlichen Steigerung unserer Lohnstückkosten und dem andauernden Finanzieren von „Krisenstaaten“ über Hilfs- und Notkredite à la EFSF oder ESM.

Anmerkung in eigener Sache

Die hier präsentierten Thesen sind selbstverständlich nur eine Sicht der Dinge. Dies ist mir bewusst, weshalb ich keinesfalls einen Anspruch auf Unfehlbarkeit erheben möchte. :-)

Zudem möchte ich mich bei Holger Klein für die Anregungen zu diesem Artikel bedanken. Der dazugehörige Podcast von Herrn Klein war sehr interessant und spannend.


Über Markus Eidam

Nach meinem insgesamt vierjährigen Aufenthalt in verschiedenen Ländern dieser Welt bin ich seit dem Jahr 2004 Geschäftsführer bei den Auslands-Experten von Eidam & Partner. In jüngeren Jahren habe ich Interkulturelle Kommunikation, Erwachsenenbildung und Psychologie studiert und mich zum Trainer, Coach und Personalfachwirt der IHK ausbilden lassen. Unser Unternehmen bietet Ihnen Interkulturelles Training, Interkulturelles Coaching, Consulting und eLearning zu 80 Zielländern.
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