Ihre Entsendung Teil 2: Re-entry

Oftmals werden Mitarbeiter intensiv auf ihre mehrjährige Auslandsentsendung vorbereitet. Doch leider wissen nur wenige, dass auch die Rückkehr dieser Mitarbeiter in die alte Heimat bestmöglich unterstützt werden sollte. Denn diese verläuft nicht immer problemlos…

Sie wurden für einen längeren Zeitraum ins Ausland entsandt und freuen sich nun auf die Rückkehr in Ihre Heimat. Denn dort warten nicht nur bekannte Gesichter, sondern ebenfalls gewohnte Prozesse und Strukturen auf Sie. Diese Annahme herrscht vor, entspricht jedoch leider nicht immer der Realität: Zahlreiche Umfragen und Studien belegen, dass es vielen Rückkehrern zunächst schwer fällt, sich in ihrer „neuen alten Heimat“ zurechtzufinden.

Doch wie kommt es, dass viele Rückkehrer [oder auch Repatriates genannt] sich fremd im eigenen Land fühlen? Im zweiten Teil unserer Entsendungsreihe gehen wir dieser Frage nach und geben nützliche Hinweise, wie Sie dem sogenannten „Re-entry-Schock“ entgegenwirken können.

Re-entry-Schock? Ich kenne meine Heimat doch!  

Der Großteil der Entsandten wird vor der Abreise darüber informiert, dass in der neuen Heimat ein Kulturschock auf sie „lauern“ könnte. Doch auch die Rückkehr in die alte Heimat hat es in sich, was leider viele unterschätzen bzw. gar nicht erst erwarten. Sie kennen ihre Heimat ja schließlich, so zumindest die Trugschluss! Aber durch das mühsame Eingewöhnen, Verinnerlichen und schließlich auch Leben der neuen Kultur, kommt es oftmals zu einer Distanzierung von der eigentlichen Heimatkultur. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass viele Rückkehrer vom „Re-entry-Schock“ betroffen sind.

Dieser erinnert in seinem Ablauf stark an den im ersten Teil dieser Serie thematisierten Kulturschock. Nach einer zunächst euphorischen Phase, folgt meist ein „Tief“, in dem der Repatriate langsam begreift, dass sich während seiner Abwesenheit vieles getan hat: damalige Kollegen haben ggf. Re-entry-Schock-Entsendung-Rückkehr-Interkulturelles-TrainingKarriere gemacht und wurden befördert, Freunde haben sich verändert oder auch alltägliche Dinge wie infrastrukturelle Neuerungen des Heimatortes. Es können folglich ganz unterschiedliche Lebensbereiche betroffen sein.

Diese Konfrontation geht meist mit dem Empfinden von Fremdheit und Orientierungs­losigkeit einher. Zudem haben Repats auch oft das Gefühl, nicht angemessen von ihren Erfahrungen berichten zu können. Infolgedessen fühlen sich diese von anderen tendenziell weniger wertgeschätzt oder auch verstanden. Darüber hinaus haben viele Rückkehrer nicht die Möglichkeit, ihr im Ausland erworbenes Know-how im Job anzuwenden. Und auch der Wunsch nach höheren Verdienstmöglichkeiten sowie der Wille zur beruflicher Weiterentwicklung besteht bei vielen.

Diese Erwartungen können Unternehmen jedoch nur selten allesamt erfüllen, was weitreichende Konsequenzen hat. Denn viele Repatriates entscheiden sich genau aus diesen Gründen bereits nach kurzer Zeit für einen Jobwechsel. So kündigten 2010 rund 38 % aller Rückkehrer und verließen ihr altes Unternehmen!

Nehmen Sie sich Zeit!

An diesem Punkt ist nun viel Zeit von Nöten, in der sich der Repatriate zum einen an die Veränderungen der „neuen alten Heimat“ gewöhnen und zum anderen auch insgesamt als Person neu orientieren kann. Das kann – je nach Dauer der Entsendung und Intensität der Erfahrungen – durchaus mehrere Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen. Stellen Sie sich darauf ein! Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine intensive und bewusste Re-Integrationsphase. Was Ihnen dabei helfen könnte? Hier einige Tipps!

Im Ausland:

  • Planen Sie Ihre Rückkehr nicht last minute, wählen Sie einen guten Zeitpunkt [wenn Sie darauf Einfluss nehmen können] und stellen Sie sich auch auf eine temporäre familiäre und berufliche Belastungssituation ein!
  • Auch wenn es zunächst banal klingt: Verabschieden Sie sich von lieb gewonnenen Freunden, aber auch Objekten und Plätzen [z. B. das alte Wohnhaus oder den Arbeitsplatz]! Machen Sie Bilder oder basteln Sie Fotoalben, wenn Sie mögen! Dies wird Ihnen später helfen, Ihren „Trennungsschmerz“ besser zu verarbeiten.

 

In der Heimat:

  • Reflektieren Sie über Ihre Erfahrungen!
  • Haben Sie Verständnis, dass sich auch Ihre in Deutschland gebliebenen Freunde, Kollegen und Bekannten verändert haben! Sie müssen sich in gewisser Weise neu kennenlernen.
  • Auch wenn Sie anfänglich ein paar „Anlaufschwierigkeiten“ haben sollten [Ihnen z.B. bestimmte deutsche Begriffe nicht auf Anhieb wieder einfallen sollten], stecken Sie den Kopf nicht in den Sand – das ist nach einer langen Zeit im Ausland vollkommen normal.

Wie Sie sehen ist sowohl die gewissenhafte Vor- als auch Nachbereitung eines langen Auslandsaufenthaltes wichtig und notwendig. Ferner legen wir Ihnen für Ihre Rückkehr ein speziell auf das Thema Re-entry zugeschnittenes Training oder Coaching ans Herz. Dort haben Sie die Möglichkeit, sich intensiv mit Ihren Erfahrungen auseinander zu setzen, um diese besser verarbeiten und sich letztendlich in Ihrer Heimat auch wieder wirklich heimisch fühlen zu können.


Über Sophie Humpisch

Ich habe Wirtschaftskommunikation und Interkulturelle Kommunikation & Kompetenz studiert. Im Zuge meiner akademischen Ausbildung war ich selbst über einen langen Zeitraum im Ausland und habe interkulturelle Unterschiede am eigenen Leib erfahren. Seit April 2014 bin ich bei Eidam & Partner für die Betreuung und Akquise neuer Fachexperten verantwortlich. Unser Unternehmen ist ein weltweiter Anbieter von Interkulturellem Training, Coaching, eLearning und Consulting für mehr als 80 Zielländer. Darüber hinaus haben wir uns auch auf viele länderübergreifende Themen spezialisiert.
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