„Zeit“ im inter­nationalen Business

Es gibt viele kulturbedingte Herausforderungen in der internationalen Geschäftswelt. Ein wichtiger Punkt, dem viele Mitarbeiter und Führungskräfte jedoch oft keine Beachtung schenken, ist das unterschiedliche Zeitverständnis. Lesen Sie in unserem heutigen Blog-Beitrag, worauf Sie diesbezüglich achten sollten!

Die internationale Zusammenarbeit bringt viele Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen mit sich. So müssen international tätige Mitarbeiter z. B. die Sprachbarriere überwinden sowie die unterschiedlichen kulturellen Werte- und Normvorstellungen erfolgreich meistern. Da dies jedoch oft nicht ohne Weiteres gelingt, wollen wir in unserem heutigen Blog-Beitrag ein kulturelles Phänomen betrachten, welches in der internationalen Geschäftswelt immer wieder „Reibungen“ verursacht: der Faktor Zeit. Denn Zeit kann – je nach kulturellem Hintergrund – unterschiedlich wahrgenommen sowie gehandhabt werden.

Doch zunächst ein bisschen theoretischen Input: In der gängigen wissenschaftlichen Literatur wird zwischen monochronen und polychronen Kulturen unterschieden.

Worum es hierbei geht…

In monochronen Kulturen [vor allem in Mittel- und Nordeuropa] wird Zeit als kostbares Gut betrachtet, welches es effektiv zu nutzen gilt. Daher tendieren monochrone Menschen meist dazu, Aufgaben nacheinander zu bearbeiten. In diesem Zuge wird gern vorab eine Bearbeitungs­reihenfolge festgelegt und erst dann mit einer neuen Handlung begonnen, wenn die vorhergehende auch wirklich abgeschlossen ist. Aus diesem Grund sind Unterbrechungen oder Verzögerungen in monochronen KultuInterkulturelles Training, Zeit, Flexibilität, Pünktlichkeitren nicht gern gesehen.

Für den Business-Alltag bedeutet dies, dass langfristige Planungen, feste Deadlines, vorab vorbereitete Meeting-Agenden und vor allem Pünktlichkeit bei Geschäftsterminen groß geschrieben werden. Denn schließlich hat jede Verspätung [z. B. die eines Geschäftspartners] Auswirkungen auf alle später geplanten Termine.

Hingegen spielt Zeit in polychronen Kulturen [vor allem in Südeuropa, Lateinamerika und der Arabischen Welt] eine eher untergeordnete Rolle. So erledigen polychrone Menschen mehrere Dinge meist gleichzeitig, wie z. B. das Führen eines Telefonats in einer Besprechung. Muss also eine Aufgabe unterbrochen werden, ist dies häufig kein Problem, da offene Punkte parallel bearbeitet werden. Hier wird demnach weniger nach einer strikten Reihenfolge vorgegangen, als vielmehr nach Priorität. Das Zauberwort ist in diesem Zusammenhang also Multitasking!

Wanted: Geduld + Flexibilität

Weiterhin ist es in polychronen Kulturen meist unüblich, unveränderliche Termine zu vereinbaren oder sich strikt an zeitliche Vereinbarungen zu halten. Auch das Thema Pünktlichkeit wird dort oftmals nicht so „eng gesehen“ wie hierzulande. So ist es nicht ungewöhnlich, bspw. in Lateinamerika 15 Minuten oder in manchen afrikanischen Ländern sowie im Mittleren Osten sogar mehrere Stunden verspätet zu einem Geschäftstermin zu erscheinen. Wie ist das möglich, werden Sie sich vielleicht jetzt fragen!

In polychronen Kulturen werden Verspätungen nicht zwangsweise mit Unpünktlichkeit oder Unprofessionalität assoziiert. Sie müssen wissen, dass in manchen Ländern der Ansatz Unpünktlichkeit nicht einmal existiert. Zeitliche Verzögerungen werden einfach hingenommen und spontan für andere Aktivitäten genutzt. Daher werden langfristige und starre Planungen in polychronen Kulturen tendenziell als unflexibel sowie unrealistisch wahrgenommen und stoßen demzufolge eher auf Unverständnis.

Was passiert nun, wenn monochrone und polychrone Typen aufeinander treffen, z. B. in einem deutsch-mexikanischen Projekt? Seien Sie auf die folgenden eventuellen Herausforderungen vorbereitet!

  • Da feste zeitliche Absprachen in polychronen Kulturen tendenziell unwichtiger sind, gibt es vor allem beim Einhalten von festen Terminen oder Deadlines oftmals Schwierigkeiten: Seien Sie sich bewusst, dass Termine meist nur als grobe Orientierung dienen! Wenn Sie z. B. ein Dokument oder eine Antwort unbedingt benötigen, haken Sie freundlich nach, betonen Sie die Wichtigkeit Ihrer Bitte sowie mögliche Konsequenzen bei einer zeitlichen Verzögerung!
  • Monochrone Menschen haben meist wenig Zeit für Small Talk, da oft schon der nächste Termin „im Nacken“ sitzt. Dies ist für den Vertrauensaufbau zu beziehungsorientierten Kulturen jedoch sehr bedeutend. Sie sollten also versuchen, sich die Zeit zu nehmen, um Ihren Geschäftspartner auch auf persönlicher Ebene kennenzulernen.
  • Da polychrone Menschen mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen, bekommen monochrone Menschen leicht das Gefühl, dass ihnen nicht richtig zugehört wird. Bleiben Sie entspannt – es ist keinesfalls persönlich gegen Sie gerichtet!

Wie Sie sehen, ist das Verständnis von sowie der Umgang mit Zeit nicht überall auf der Welt gleich, was nicht unerhebliche Folge für Ihre internationale Zusammenarbeit haben kann. Wir möchten an dieser Stelle noch ergänzen, dass selbstverständlich nicht nur die Kultur, sondern ebenfalls andere Aspekte [bspw. die Gesellschaft, Religion oder die eigene Erziehung] das individuelle Zeitempfinden prägen können. Wenn Sie mehr über die Besonderheiten der internationalen Geschäftswelt erfahren möchten, legen wir Ihnen unser kulturallgemeines Training ans Herz. Unter dem folgenden Link finden Sie weiterführende Informationen zu unserem Angebot.


Über Sophie Humpisch

Ich habe Wirtschaftskommunikation und Interkulturelle Kommunikation & Kompetenz studiert. Im Zuge meiner akademischen Ausbildung war ich selbst über einen langen Zeitraum im Ausland und habe interkulturelle Unterschiede am eigenen Leib erfahren. Seit April 2014 bin ich bei Eidam & Partner für die Betreuung und Akquise neuer Fachexperten verantwortlich. Unser Unternehmen ist ein weltweiter Anbieter von Interkulturellem Training, Coaching, eLearning und Consulting für mehr als 80 Zielländer. Darüber hinaus haben wir uns auch auf viele länderübergreifende Themen spezialisiert.
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