Zeit-Management im inter­nationalen Business

Es gibt viele kulturbedingte Herausforderungen in der internationalen Geschäftswelt. Ein wichtiger Punkt, dem viele Mitarbeiter und Führungskräfte jedoch oft keine Beachtung schenken, ist das unterschiedliche Zeitverständnis. Lesen Sie in unserem heutigen Blog-Beitrag, worauf Sie diesbezüglich achten sollten!

Grundlegend wird beim Thema Zeit zwischen Menschen mit sequenzieller und synchroner Zeiteinteilung unterschieden.

Sequenzielle Zeiteinteilung

1. Zeitplanung: Zeit ist für sequenzielle Menschen sehr wertvoll. Sie sollte folglich nicht vergeudet und gut verplant werden.

Dementsprechend haben die Menschen einen meist gut gefüllten Kalender, der sowohl Termine für den aktuellen Tag, aber auch Termine für die kommenden Wochen oder sogar Monate aufweist. Die Menschen sind dadurch weniger spontan und kurzfristig seltener verfügbar. Dies ist dann schwierig, wenn man eine Beziehung zu einer Person aufbauen will, die sehr kurzfristig plant.

Pünktlichkeit wird in sequenziellen Kulturen besonders geschätzt. Schließlich hat jede Verspätung Auswirkungen auf die später am Tag folgenden Verabredungen. Zeitliche Zuverlässigkeit ist ein wesentlicher Faktor zur Vertrauensbildung und wichtig für den Aufbau eines positiven Images als verlässlicher und professioneller Mensch.

2. Bearbeiten von Aufgaben: Sequenzielle Menschen sind wenig multitasking-fähig. So wird es beispielsweise nicht gemocht, ein Telefonat während eines Meetings anzunehmen oder jemandem zuzuhören, während man eine andere Aufgabe erledigt. Dinge gleichzeitig zu erledigen, wird schnell als stressig erlebt und nach Möglichkeit vermieden.

Gleiches gilt für die Erledigung von Aufgaben: Man legt dabei für sich selbst eine Reihenfolge von Aufgaben fest. Im Folgenden wird strikt versucht, sich an diese lineare Abfolge zu halten. Unterbrechungen sind alles andere als willkommen, da sie die aufeinander aufbauenden Teilschritte durcheinanderbringen und Unsicherheit hervorrufen. Dementsprechend wird erst dann eine neue Handlung begonnen, wenn die vorhergehende beendet ist.

Um herauszufinden, ob die Menschen in Ihrem Zielland diesen sequenziellen Stil pflegen, gibt es einen relativ simplen Hinweis: Beobachten Sie ganz einfach das Verhalten beim Anstellen [beispielsweise an einer Kasse oder beim Einsteigen in einen Bus]! Stellen sich die Menschen eher nacheinander in einer Reihe an oder formen sie eine große Traube um das eigentliche Ziel herum?

Einige Beispiele für sequenzielle Kulturen: Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Finnland oder Japan.

Synchrone Zeiteinteilung

1. Zeitplanung: Synchrone Menschen verplanen ihre Zeit weniger; schon gar nicht lang im Voraus.

Zudem ist Pünktlichkeit nicht sonderlich wichtig: Die Beziehungsebene steht im Mittelpunkt. Trifft man zum Beispiel einen alten Freund, ist ein Gespräch mit ihm meist wichtiger als das Einhalten eines Termins mit einer Person, mit der man keine intensive Beziehung pflegt. Man widmet anderen Menschen Zeit, um ihnen so zu zeigen, dass sie viel wert sind.

Dies ist auch dann der Fall, falls eine Person unerwartet auftaucht. Es wäre grob unhöflich, sich keine Zeit zu nehmen. Auch dann, wenn man eigentlich etwas anderes vorhat.

Zwar ist es nicht so, dass Zeit per se unwichtig ist, wohl aber gibt es viele andere Werte, die zumindest eben so bedeutend sind. So kommt es, dass in Südamerika ungefähr 15 Minuten Verspätung durchaus normal sind. In Afrika oder im Mittleren Osten wartet man teilweise sogar bis zu einem halben Tag auf ein vereinbartes Treffen.

Unpünktlichkeit wird in synchronen Kulturen jedoch nicht als Verspätung angesehen. Man kann dieses Wort teilweise überhaupt nicht in die jeweilige Sprache übersetzen, da es schlichtweg nicht existiert. Wartet man auf jemanden, der „zu spät“ erscheint, zieht man ganz einfach spontan andere Dinge vor.

Langfristige Planungen, wie sie beispielsweise in Deutschland üblich sind, stoßen in synchronen Kulturen eher auf Unverständnis. Wer sich an strikt festgelegte Pläne hält, gilt hier meist als unflexibel beziehungsweise unrealistisch. Schließlich kann immer etwas dazwischenkommen, wobei dann Improvisation und Spontanität gefragt sind.

Eine mögliche Erklärung: Viele Thais glauben beispielsweise an Wiedergeburt. Weshalb also hetzen, wenn man noch X Leben vor sich hat?

2. Bearbeiten von Aufgaben: Für synchrone Menschen ist es geradezu natürlich, viele Dinge gleichzeitig zu tun.

Einer Person zuhören, während man eine E-Mail schreibt? Kein Problem! Dies kann bei sequenziellen Menschen schnell zum Eindruck führen, dass chaotisch/ineffizient gearbeitet wird und das jemand nicht richtig zuhört, weil er parallel andere Dinge tut.

Es gibt auch keine lineare Abfolge von Aufgaben. Man schaut vielmehr spontan nach der aktuellen Dringlichkeit.

Einige Beispiele für synchrone Kulturen: Türkei, Malaysia, Griechenland oder Frankreich. Selbstverständlich haben nicht alle Menschen in diesen Ländern eine synchrone Zeitplanung, dennoch tendiert die Mehrheit der Bevölkerung in diese Richtung.

Was können Sie tun?

Lesen Sie hier Tipps und Strategien für den Umgang mit beiden Kulturunterschieden!

Interkulturelles Training für mehr internationale Effizienz 

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Literaturempfehlungen rund um interkulturelles Training

1 Kumbruck, Christl/Derboven, Wibke [2016]: „Interkulturelles Training: Trainingsmanual zur Förderung interkultureller Kompetenzen in der Arbeit“, Berlin/Heidelberg: Springer-Verlag

2 Karasjew, Michael [2014]: „Entwicklung interkultureller Kompetenz in der betrieblichen Weiterbildung: Interkulturelle Trainings und Methoden“, Norderstedt: GRIN Verlag

3 Kainzbauer, Astrid [2002]: „Kultur im interkulturellen Training. Der Einfluss von kulturellen Unterschieden in Lehr- und Lernprozessen an den Beispielen Deutschland und Grossbritannien“, Frankfurt a. M./London: IKO-Verlag für Interkulturelle Kommunikation.

4 Schwartz, Annika [2012]: „Interkulturelle Teams: Die Wirksamkeit interkultureller Trainings zur Verbesserung der Zusammenarbeit interkultureller Teams“, AV Akademikerverlag

5 Müller-Jacquier, Bernd/ten Thije, Jan D. [2000]: „Interkulturelle Kommunikation: interkulturelles Training und Mediation“, in: Becker-Mrotzek, M./Brünner, G./Cölfen, H. [Hrsg.]: „Linguistische Berufe“, Frankfurt a. M./Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien: Lang, 39-57.


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Über Markus Eidam

Nach meinem insgesamt vierjährigen Aufenthalt in verschiedenen Ländern dieser Welt bin ich seit dem Jahr 2004 Geschäftsführer bei den Auslands-Experten von Eidam & Partner. In jüngeren Jahren habe ich Interkulturelle Kommunikation, Erwachsenenbildung und Psychologie studiert und mich zum Trainer, Coach und Personalfachwirt der IHK ausbilden lassen. Unser Unternehmen bietet Ihnen Interkulturelles Training, Interkulturelles Coaching, Consulting und eLearning zu 80 Zielländern.
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